Ganzjahresreifen: Für wen sie sich lohnen
Von Joshua Klösgen, Kfz-Meister · Über uns
Kurz gesagt
Ganzjahresreifen sind sinnvoll, wenn Sie wenig fahren, meist in der Stadt oder auf flachen Strecken unterwegs sind und bei Schnee auch mal auf das Auto verzichten können. Für den Winter müssen sie das Alpine-Symbol tragen. Wer viel fährt oder oft in Schnee und Bergen unterwegs ist, ist mit Sommer- und Winterreifen meist besser bedient.
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Zweimal im Jahr Räder wechseln, Reifen einlagern, Termine machen: Viele Autofahrer fragen sich, ob das wirklich sein muss. Ganzjahresreifen, auch Allwetterreifen genannt, versprechen eine einfache Lösung. Sie sind aber immer ein Kompromiss. Ob dieser Kompromiss zu Ihnen passt, erfahren Sie hier.
Was sind Ganzjahresreifen?
Ganzjahresreifen sollen im Sommer und im Winter funktionieren. Ihre Gummimischung und ihr Profil liegen zwischen Sommer- und Winterreifen. Sie bleiben bei Kälte weicher als ein Sommerreifen und haben feine Einschnitte, sogenannte Lamellen, die sich im Schnee verzahnen. Gleichzeitig sind sie bei Wärme fester als ein reiner Winterreifen. Dadurch sind sie in keiner Jahreszeit ganz so gut wie ein Spezialist, aber in beiden ordentlich.
Sind Ganzjahresreifen im Winter erlaubt?
Ja, wenn sie das Alpine-Symbol tragen. Das ist ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke auf der Reifenflanke. In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht: Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte brauchen Sie wintertaugliche Reifen. Seit dem 1. Oktober 2024 zählt dafür nur noch das Alpine-Symbol. Eine reine M+S-Kennzeichnung reicht nicht mehr. Mehr dazu im Ratgeber Winterreifenpflicht und Alpine-Symbol.
Für wen lohnen sich Ganzjahresreifen?
Ganzjahresreifen passen meist gut, wenn mehrere dieser Punkte auf Sie zutreffen:
- Sie fahren eher wenig im Jahr.
- Sie sind vor allem in der Stadt oder auf flachen Landstraßen unterwegs.
- Sie können bei starkem Schneefall das Auto stehen lassen oder später losfahren.
- Ihr Auto ist eher klein und nicht besonders stark motorisiert.
- Sie möchten sich den Wechsel zweimal im Jahr sparen.
In der Region um Aachen sind die Winter oft mild, mit vielen nassen Tagen um den Gefrierpunkt. In der Eifel und anderen höheren Lagen kann es aber deutlich mehr Schnee geben. Wer dort regelmäßig fährt, sollte genau überlegen.
Wann sind Sommer- und Winterreifen die bessere Wahl?
- Sie fahren viel, zum Beispiel täglich lange Strecken zur Arbeit.
- Sie sind oft auf der Autobahn und mit hohem Tempo unterwegs.
- Sie fahren regelmäßig in die Berge oder in den Skiurlaub.
- Ihr Auto ist schwer oder stark motorisiert.
- Sie müssen bei jedem Wetter zuverlässig fahren, etwa beruflich.
Spezialreifen haben in ihrer Jahreszeit meist Vorteile. Ein Sommerreifen bremst im Hochsommer auf trockener und nasser Straße in der Regel besser. Ein Winterreifen hat auf Schnee und Eis meist mehr Halt. Wie groß der Unterschied ist, hängt stark vom einzelnen Reifenmodell ab. Unabhängige Reifentests helfen bei der Auswahl.
Wie entscheide ich mich richtig?
- Schätzen Sie ab, wie viele Kilometer Sie im Jahr fahren und auf welchen Strecken.
- Überlegen Sie, ob Sie bei Schnee auf das Auto verzichten können.
- Prüfen Sie Ihre aktuellen Reifen: Wie alt sind sie, und wie viel Profil haben sie noch?
- Schauen Sie im Fahrzeugschein oder in den Fahrzeugunterlagen nach, welche Reifengrößen für Ihr Auto erlaubt sind.
- Vergleichen Sie unabhängige Tests für Ganzjahresreifen in Ihrer Größe.
- Lassen Sie sich vor dem Kauf beraten. Wichtig sind passende Größe, Tragfähigkeit und Geschwindigkeitsindex.
Wie lange halten Ganzjahresreifen?
Ganzjahresreifen sind das ganze Jahr auf dem Auto. Sie nutzen sich daher schneller ab als ein Satz Sommer- oder Winterreifen, der nur einen Teil des Jahres gefahren wird. Im Sommer verschleißt die weichere Mischung auf heißem Asphalt etwas stärker. Achten Sie deshalb regelmäßig auf das Profil. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens 1,6 mm. Für den Winter sind aber mindestens 4 mm empfehlenswert, darunter lässt die Wirkung auf Schnee spürbar nach. Wie Sie das Profil einfach selbst messen, steht im Ratgeber Reifenprofil prüfen.
Auch das Alter zählt. Die DOT-Nummer auf der Flanke zeigt, wann der Reifen hergestellt wurde. Mit den Jahren wird das Gummi hart und greift schlechter, auch wenn noch genug Profil da ist. Lassen Sie ältere Reifen deshalb regelmäßig ansehen, besonders vor dem Winter. Feine Risse in der Flanke sind ein Zeichen dafür, dass das Gummi gealtert ist.
Muss ich bei Ganzjahresreifen gar nichts mehr machen?
Doch, ein paar Dinge bleiben:
- Reifendruck regelmäßig prüfen, besonders wenn es kälter wird, denn bei Kälte sinkt der Druck. Wie das geht, lesen Sie im Ratgeber Reifendruck richtig prüfen.
- Profil an allen vier Reifen vergleichen. Bei den meisten Autos nutzen sich die Reifen vorn schneller ab.
- Je nach Reifen- und Fahrzeughersteller kann es sinnvoll sein, die Räder zwischen Vorder- und Hinterachse zu tauschen, damit sie gleichmäßig abfahren.
- Reifen und Felgen einmal im Jahr auf Schäden prüfen lassen, etwa beim Wintercheck.
Wann sollten Sie in die Werkstatt?
Wenn Ihre Reifen alt sind, das Profil knapp wird oder Sie unsicher sind, ob Ganzjahresreifen zu Ihrem Auto und Ihrer Fahrweise passen. Wir beraten Sie und montieren die passenden Reifen. Den Räderwechsel gibt es ab 29,99 €, auf Wunsch auch bei Ihnen vor Ort.
Häufige Fragen
Sind Ganzjahresreifen im Winter erlaubt?
Ja, wenn sie das Alpine-Symbol tragen, also einen Berg mit Schneeflocke. Reifen nur mit M+S-Kennzeichnung gelten seit dem 1. Oktober 2024 nicht mehr als wintertauglich.
Für wen sind Ganzjahresreifen sinnvoll?
Vor allem für Wenigfahrer, die meist in der Stadt oder auf flachen Strecken unterwegs sind und bei Schnee auf das Auto verzichten können.
Halten Ganzjahresreifen so lange wie Sommerreifen?
Meist nicht, weil sie das ganze Jahr gefahren werden. Prüfen Sie das Profil deshalb regelmäßig.
Wie viel Profil sollten Ganzjahresreifen haben?
Gesetzlich sind mindestens 1,6 mm vorgeschrieben. Für den Winter sind mindestens 4 mm empfehlenswert.
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